1797-03 Brief an Hildebrand Jost in der Schweizer Garde seiner königlichen Majestät
- 30. Okt. 2025
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Aktualisiert: 10. Jan.
Originaltitel des Dokuments
Kein Titel, jedoch die Briefadresse: Herrn Hauptmann Hildebrand Jost, In der Schweizergarde seiner königlichen Majestät Domodossola, Milano, Turin
Besonderes zur Schrift
Kurrentschrift. Keine Satzzeichen, kaum Grossschreibungen, Lücken im Wort was das Verständnis erschwert. Der Wechsel zwischen Ihr, er und du lässt sich möglicherweise damit erklären, dass der Brief diktiert wurde. Der Brief wurde wahrscheinlich im März 1797 geschrieben. Diese Vermutung stützt sich auf die Bemerkung von der jungen Fasnacht» weil der Aschermittwoch 1797 am 1.März war.
Bild des Dokumentinhalts


Transliteration des Textes
Vorderseite
nella Guardia Suizzera
di Sua Majestà Reale
Domodossola
Milano à Turino
Innenseite
lieber Sohn
mit Ver lan gen hab ich un brieff erwartet. am 27 Tag hornung
hab ich ein brieff empfangen so vest erfreiwet dass wier ersechen dass ihr
Gott sey dank gesunt seiet eiwer begehren hab ich durch eiwer bruoder
lassen ant worten damit das bey dem komendant mehr ansechen von wegen dem
bast zuo erhalten Da ehr geschriben das reisgelt mache ihm kein ambras im sack Wan ehr
reis gelt netig hat kan ehr nur schreiben Will ich ihm schyken was du begerest Wan am
Degen oder Sack vr etwas mangiert lass ers reisen Wier wollen zallen derfür hat es
schon geschriben Wan du dein kleinen Degen auch zuo rüg bringen wilst las auch ein scheide machen
neiwes weis ich jetz nicht zuo schreiben ich habe ihm am 25 hornung ein brieff iberschickt seither hab ich
verstanden dass ëhr in dem zimer von eiweren kameraden fort in ein anres zimer der junge fasnacht
gehalten zuo dem Famater das sie von eich fihr kein ehr gehalten Die zeit zuo komen nacher haus hab ich
in den brieff gethan aber das war nur von wegen dem komendant da kan er komen wen
du wilst es ist dises jahr ein unmerckliches gelt in das lant komen alles biemunt-
deser drey betzler das gemeine gelt was in die zenen komen ist alles lauter drey betzler
glaublich werden sie das gelt einsamlen undt das ...gelt dem kenig an das saltz
zuo rüg schaffen hat mier der landts hautman gesagt wan du zuo rüg kom thuost
so kanst auff der ris dich woll ver sechen undt allezeit gott ver augen haben undt an den
tot gedencken Wier wollen hier gott fihr eich bitten undt ihr fihr uns Wier seint
hier alle gesunt Wier von eich auch hoffen undt lassen eich alle freintlich griessen
hiltebrant undt der christen alle kameraden so in dem zimer waren
es hat die schwester hert das dem christen michlig das kint ergauchet ist undt nicht reden will
er solle es der muoter schicken
Vereinfachter Text
Herrn Hauptmann Hildebrand Jost[1]
In der Schweizer Garde
Seiner königlichen Majestät[2]
Domodossola Milano in Turin
Lieber Sohn
Mit Verlangen habe ich euren Brief erwartet. Am 27. Februar hatte ich einen Brief empfangen. So was erfreut, dass wir ersehen, dass ihr, Gott sei Dank gesund seid. Euer Begehren hab ich durch Euren Bruder[3] beantworten lassen, damit das beim Kommandanten Eindruck macht. Ihr habt geschrieben, dass das Reisegeld keinen Amras[4] mache. Falls Ihr doch Reisegeld nötig habt, so schreibt bitte. Ich werde soviel schicken wie Ihr begehrt. Wenn am Degen oder Sack etwas mangelt, so lasst es flicken. Wir wollen dafür bezahlen, wie wir schon geschrieben haben. Wenn du deinen kleinen Degen auch zurück bringen willst, lass auch eine Scheide machen.
Neues weiss ich jetzt nicht zu schreiben. Ich habe Ihnen am 25. Februar einen Brief geschickt. Seither habe ich verstanden, dass Ihr an der jungen Fasnacht aus Eurem Zimmer und Euren Kameraden weg in ein anderes Zimmer zum Pfammater verlegt wurdet und dass von Euch vier keiner gehalten (Sinn unklar). Die Bitte bald näher zu kommen habe ich nur geschrieben wegen des Kommandanten. Ihr könnt natürlich kommen wann Ihr wollt.
In diesem Jahr ist Falschgeld ins Land gekommen, alles Montheyer Drei-Bätzler. Man werde das Geld einsammeln und das Geld dem König in Form von Salz zurückgeben, hat mir der Landeshauptmann[5] gesagt. Wenn du zurück kommst, so trage auf der Reise Sorge, habe allzeit Gott vor Augen und gedenke an den Tod. Wir wollen hier Gott für euch bitten und Ihr für uns. Wir sind hier alle gesund, was wir auch für euch hoffen und lassen euch alle freundlich grüssen, Hildebrand und der Christen, alle Kameraden in deinem Zimmer. Die Schwester leidet sehr daran, dass dem Christen Michlig das erkrankt ist und nicht reden will. Es soll es der Mutter schicken.
[1] Hildebrand Jost (1770-1831), Sohn des Zendenmeiers Joseph Ignaz Jost (1731-1771) und der Maria Josepha Huber (+1821). Seine 2 Frau war Anna Maria Briw (1772-1851), Tochter des Johann Briw und der Anna Maira Clausen.
[2] Königreich Savoyen, kurz bevor es im gleichen Jahr von Napoleon Bonaparte erobert wurde und unterging.
[3] Mit Bruder ist der Halbbruder Johann Joseph Jost (1731-1805) gemeint. Sohn aus der 1. Ehe Hildebrands Vaters Joseph Ignaz Jost mit Anna Maria Perren, verheiratet mit Luzia Sigristen (1731-1768), der Schwester des Landeshauptmanns Jakob Valentin Sigristen.
[4] Ambras(t): Sorge, Unruhe (von frz. embarras)
[5] Landeshauptmann Jakob Valentin Sigristen (1733—1808)




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