1602-07-16 Senntum Binn
- 22. Nov. 2025
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Aktualisiert: 25. Nov. 2025
Originaltitel des Dokuments
Erkentnus und Urtheill
Zu nutz der getheilenn in
Clausigo Sentumb

Ältestes Dokument in der Sammlung der Schriften Alfred Briw.
Besonderes zur Schrift
Kurrentschrift. Häufig fehlt der später übliche Strich über dem ū, welcher den Buchstaben u von n unterscheidet (n wird nämlich geschrieben wie ein u).
Bild des Dokumentinhalts

Dokument auf Pergament mit einigen Löchern bei den Faltstellen.
Transliteration des Textes
Ich Joder Thenisch Meyer und Richter der Thalschafft Bin, durch den hochwirdigen Firsten und Herren Hilteprand von Riedtmatten von Gottes gnaden Bischoff zu Sitten Prefect und graff in walliss; Thun kund vund zu wissen so disen brieff sechent oder herrendt lesen, das ich uss Instans und begeren des f:[1] Martin Jost so vormals Landvogts zu munthey mehrmalen meyer und Banerher des Zenden Gombs; Hanss Clausen von Lax in namen Iren Selbs, vund ouch als gwaltzhaber aller Erben des seligen grossmechtigen martin Clausen etlich malen Landtshöptman, Gerig Clausen in namen derens ein dochter des Seligen Thomlen Clausen von nider Ernen siner Hussfrouwen. Martin
albrecht von nider Ernen in namen siner Kindren so er gwünnen hatt mit margret ein Dochter gsagtes Thomlen Clausenn
vund ouch als gwaltshaber der Kindren des Seligen martin ein Sun gmeltes Thomlen Clausen vund ihr mitHafftenn
als verordnette gwaltzshaber aller mitteilen Clausingen Senthumbs und derselbigen Medren[2], glegen in der Thalschafft
Bin, welcher aller gwalt mier underzeichnetten Schriiber zu wissen statt; welche dan von alter har eines Senthumbs gsinn.
vund miteinandren gealpet habent, betrachend abermalen ihr aller nutz, so habent sy sich ouch nun vorthin. Zu Ewigen Ziiten ver-
einbaret und verbunden mit einandren und byeinandren zu verbliiben, zu Alpen vund nit von einandren abzusindren oder theilen
by Verpflichtung gmelter ihr alpen; Deswegen so habent sy nun mit einandren einhellig uss Krafft des rechten durch mich obgemel-
ten Richter offenlich in der Kilchen des heiligen Sant Michels des Ertzengells und Patronen in Bin, am gwonlichen ordt der Verbotten
und Ruffungen Verbietten und Sequestrieren lassen, in Bywesen alles Volks so da versamlet war zu Hören das Heilsam word
Gottes, uff dry Sunnen tag von vierzechen tagen zu vierzechen tagen, endlich und verzwickt Zill gegen jedes mall tag bestimpt
vor mich obgemelten Richter zu erschinnen, alls ihr Etzmeder, namlich blaki boden, zu der nüwen Hitten, gandt, bielte, Frenchi, blat,
lengen Eggen, Rotten brunnen, Thelli, Oxenfeld, sampt iren Heuwmedren in der Frenchi und blaki boden, als ihr, eigent Er[b]lich oder
erkoufft fry und ledig gutt, by Pern[3] und büssen wie folget. Und Erstlich das nun firthin zu Weigen Ziitten kein Person im glten
iren medern Stral oder uss wirff mache, by der buss fieff und zwenzig pfunden sampt Verfalnuss der stralen oder deren werd
gmeinen alptheilen verfallen. Zum andren das nun vorthin zu Ewigen Zitten niemans kein murmelten in iren medren schiesse
Vallen, grabe, noch mit Hunden fache oder zu inen schiesse, letzinen, oder Schitz Hiiser mache, oder eincherley wiss umbringe, oder under-
stande umb zu bringe by der buss sechzig Pfunden ouch gmeinen alptheilen des selbigen Senthumbs verfallen. Zum Dritten das
ouch nun vorthih zu Ewigen Ziitten, niemans ire meder Etze, mit Rossen, mülen, oder andrem Viich, wie das mechte genempt werden, by
einer Kronen buss von einem jetlichen H[aupte] (Loch) als offt dass beschieht, die Seimer siigent thiitsch oder welsch, schlachen ab oder nit ab,
In Summa ihr meder von ungetrhiben v.. (Loch) etzt bliiben, Dieselben Buss ouch gmeinen alpgetheilen wie ob verfallen. Wiitter han ich ob-
gemelter Richter uss Instans Herrn wie (Loch) ..tt verbotten by Dry Pfunden Buss das niemans in gmelten Ortten iren medren kein Wega mache
mit keinerley Viich noch trenck weg noch (Loch) ouch den albtheilen verfallen als offt es beschicht der Richtren rechte vorbehalten (? weil Loch)
Welche obermelte artikel und punkten al.. (Loch) eldet. Zu glicher Wiiss zu Ernen in der Kilchen Sant Gergien durch den Ehrsamen Peter
Schmit Weibel am Samstag so war Drey (Loch)zechend Brachmonats gegenwertigs jars offenlich als das Volck by einandren versamlet war
die Helgen Empter zu hören verkindet ist [da]mit sich niemans der Unwissenheit zu erklagen habe, Und so jemands were der wider solche Ver-
bott reden oder thun wett, denselben Personen ist alle mall vor mich tag geben zu erschinen, uff welchen Tagsatzungen niemals friers er
schinen der darwider redte, die Instante..ber sind alle mall erschinen, und ingsetzt luht der Verbotten und Ruffungen. Der halbenn
angesechen und betrachtet obgmelte Ding (Loch) ...nd firnemlich die dry verzikte verbotte so ordenlich sind beschen sampt deren erlangten Contuma-
tzen, ouch sunst alles und jedes betrachte..em rechten und der billigkeit gmäss so hierin zu betrachten warend, bin ich zu gricht gesessen
und ein umbfrag than miner geschworne Namlich der Ehrsamen und wysen Peters Daforna altt meyers zu der Zitt Statthalters
Simon an der Ledin, Hillarien im Hoff an den Eygnen vormals meyeren. Peter Cunrats, Martin Daforna, Hanss Carlan zur binnen
Hanss Ritters am Feld und Hanss ein Sun Michel Im Hoff, welche einhelliglich und ich mit ihen Urtheilen und erkennen der obgemelten
gwaltzhaberen und Instanten in namen ihrs Senthumbs Clausigen aller iren medren es siigent etz oder Heuwmedren wie sy obenn
vermeldet sind ir Verbotte gentzlich in Krafft in aller gestalt forin, vund wiiss wie oben vermeldet von Ubertretteren und obgemelte ver-
botte uberträchent in einem oder andren Artikell vund puncten Die büssen megent in Zichen vund erfordren ietz und zu ewigen Ziitten
ohne einiche widerret. Umb welche obgmelte Ding die gsagten Instanten und gwaltzhaber des Sentumbs Clausigen Urkundt brieff
begert habent under minem eignem Secret und Sigel, ouch Underzeignass des Underzeigneten Schriibers. Zu nutz aller iren mitheilen
und Derselbigen Ewigen nachkomenden der medren so oben vermeldet Clausigen Senthum zugehörig welches ich inen verwilliget han,
Geben dise Urtheill und beschechen im Thall bin am Felds in der kleinen Stuben obgemelte Meyer simmons an der Ledin wirdts uff
Sant Annen Tag welcher war der sechs und zwenzigest July, im Jar da man zählt (ab hier andere Handschrift) nach Christi unsers eintzigem Erlösers und
säligmachers geburt. thusendt sechshundert vund zwey
Uss bevelch obgemelts
Herr meyers
Petrus notarius
Rufiner publicus
[1] Abkürzung für Herrn
[2] = Weiden
[3] = Pein, Strafe
Vereinfachter Text
Vorschriften zum Nutzen der Mitglieder des Senntums Clausen
Joder Thenisch, Meyer und Richter der Talschft Binn erlässt folgendes:
Im Auftrag von:
Martin Jost gewesener Landvogt von Monthey, Meyer und Bannerherr des Zehnden Goms
Hans Clausen von Lax, in seinem Namen und im Namen aller Erben des seligen Martin Clausen, Landeshauptmann
Georg Clausen im Namen seiner Ehefrau, Tochter des seligen Thomlen Clausen von Niederernen
Martin Albrecht von Niederernen im Namen seiner Kinder, die er mit Margret, Tochter von Thomlen Clausen gezeugt hat und auch als Vertreter der Kinder des seligen Martin Clausen, ein Sohn von Thomlen Clausen, sowie als Verteter
aller Miteigner des Senntums Clausen, gelegen in der Talschafft Binn.
Alle Teilhaber des Senntums Binn haben miteinander vereinbart, beieinander zu bleiben und gemeinsam zu alpen.
Sie haben einhellig den obgenannten Richter beauftragt, die folgenden Verbote in den Kirchen Binn und Ernen bekannt zu machen.
(Es folgt die Aufzählung aller zum Senntum Clausen gehörenden Weiden und Gebiete.)
Bei Strafe und Busse ist folgendes verboten:
Das Strahlen bei 25 Pfund Busse und Abgabe der gefundenen Steine oder deren Gegenwert.
Das Jagen von Murmeltieren bei 60 Pfund und Abgabe der erlegten Tiere.
Das Weiden lassen mit Pferden, Maultieren oder anderem Vieh bei Busse von einer Krone pro Tier und Vergehen unabhängig davon ob die Säumer Einheimische oder Fremde sind.
Das Anlegen von Wegen und Tränken der Tiere bei 3 Pfund Busse.
Diese Verbote wurden je 3 Mal in den Kirchen in Binn und Ernen durch den Weibel Peter Schmidt verlesen.
Es wurde Gelegenheit gegeben, dagegen Einspruch zu erheben.
Die Verordnung wurde den Geschworenen Peter Daforna, Hans Carlen, Hans Ritter und Hans Imhof zur Beurteilung vorgelegt und genehmigt und in Kraft gesetzt.
Die Verantwortlichen des Senntums Clausen haben verlangt, dass diese Verordnung verschriftlicht werde, was hiermit am 26. Juli 1602 geschehen ist.
Gezeichnet: Peter Rufiner, öffentlicher Notar.




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